Alpen-Photovoltaik hat viele Vorteile. Sie bietet dank der Lage über dem Hochnebel und der Reflexion am Schnee einen hohen Ertrag im Winter. Sie nutzt günstiges Land, weil der landwirtschaftliche Ertrag der Alpen wegen tiefer Temperaturen gering ist. Zudem bleibt die Beweidung weiterhin möglich, weil die Module wegen der Schneehöhen 3 Metern über Boden liegen und der Boden dank deren steiler Aufstellung im Sommer weiterhin gut besonnt wird. Mit einem kleinen Teil des Baurechtszinses für die Grundstücknutzung können die Berggemeinden und die Landeigentümer zudem ihre Alphütten und Alp-Wasserversorgung erneuern. Das bremst die anhaltende rasche Reduktion der bewirtschafteten Alpflächen. Das ist von Vorteil, weil ungenutzte Alpen verganden, was einen grossen Verlust für die Biodiversität bedeutet.
Die Alpen-PV hat aber auch zwei Nachteile. Sie verändert die Landschaft, und sie erfordert höhere Investitionen als grössere PV-Anlagen auf Bauten. Der erste Nachteil lässt sich nicht vermeiden. Die Anlagen können lediglich an Orten erstellt werden, wo sie nur von einigen Wanderern und Wintersportlern gesehen werden. Auch die vielen Häuser und Strassen im Mittelland gefallen nicht allen, diese sind aber halt auch Grundlage für unseren Lebensstandard, der vielen erst die Möglichkeit zu Wanderungen und Wintersport gibt. Im Unterschied zu Häusern und Strassen besteht für alpine PV-Anlagen ausserdem die Aussicht, dass sie in einigen Jahrzehnten durch andere Energieformen abgelöst und vollständig abgebaut werden können.
Der zweite Nachteil, die höheren Investitionen, lassen vermuten, dass damit auch hohe Energieinvestitionen zur Erstellung der Anlagen notwendig sind, die sich erst nach sehr langer Zeit zurückzahlen. Das ist jedoch zum Glück nicht der Fall. Die Investitionen sind höher, weil sie etwa zur Hälfte durch die aufwendige Fundation und Stahlunterkonstruktion bestimmt werden. Die Module müssen zuverlässig über der maximalen Schneehöhe von bis 4 Metern zu liegen kommen, damit sie nicht von Fliessschnee zerstört werden. Und das Gerüst muss Windgeschwindigkeiten bis 200 km/h widerstehen. Bei Dach- und Fassadenanlagen ist diese Funktion auf einfache Montageschienen reduziert. Auch der Stromanschluss und die Baulogistik sind viel aufwendiger.
Positive CO2-Bilanz nach rund fünf Jahren
Die IG Solalpine hat beim Büro Amstein + Walthert ein Excel-Werkzeug erstellen lassen, um Energie und CO2-Ausstoss zu Bau, Betrieb und Entsorgung alpiner PV-Anlagen berechnen und mit dem Nutzen vergleichen zu können. Die IG Solalpine stellt das Berechnungsinstrument im Rahmen von Dienstleistungsaufträgen zur Verfügung. Anhand einer von uns geplanten auf 2300m. ü. M. und 1000 m über dem Dorf gelegenen Anlage mit 23 MWp wurden sämtliche Komponenten erfasst. Zu allen Komponenten wurden die Herstellung, der Transport in die Schweiz und auf die Baustelle und die Entsorgung gemäss der Ökobilanzzahlen der KBOB (Vereinigung der öffentlichen Bauherren der Schweiz) berücksichtigt. Ausserdem wurden der Anlagenbau, der Betrieb während 60 Jahren, die Erneuerung der PV-Module nach 30 Betriebsjahren und der Rückbau eingerechnet.
Das Resultat ist auf den ersten Blick überraschend. Der Gesamtaufwand an CO2-eq liegt mit 41 g/kWh in ähnlicher Höhe wie bei PV-Dachanlagen (42 g/kWh, vgl. treeze ltd. «Ökobilanz Strom aus Photovoltaikanlagen, Update 2020»). Auf der Basis des europäischen Strommix wird das in die Anlage investierte CO2 in 4,6 Jahren zurückbezahlt, die Primärenergie in 2,8 Jahren.