Das während des Projekts von einem Netzbetreiber umgesetzte Konzept «Messen und Regeln» ermöglicht mittels permanenter PQ-Messung und P(U)-Regelung des Wechselrichters an kritischen Anschlusspunkten eine gezielte Überwachung und Regelung von Anlagen, um Grenzwertverletzungen zu verhindern. Dies kann eine kosteneffiziente Alternative zum Ausbau der kundenseitigen Anschlussleitung bzw. zur Netzverstärkung darstellen. Denn mit diesem Konzept kann der Netzbetreiber den Anschluss einer PV-Anlage auch dann ohne Netzausbau bzw. Netzverstärkung bewilligen, wenn die berechnete Spannungsanhebung gemäss vorheriger Beurteilung zwischen 3 und 5% liegt.
Eine Netzverstärkung wirkt sich grundsätzlich positiv auf die Spannungsqualität und die Auslastung aus und kann die Qualitätsreserven im Netz erhöhen. Jedoch muss sich dies nicht automatisch vorteilhaft auf die Pegel der Spannungsqualitätsparameter auswirken, wenn die Netzrückwirkungen nicht im betroffenen Niederspannungsnetz verursacht werden.
Ausserdem schlägt das Projektteam die Überwachung als alternative Massnahme vor. Da bei einer kontinuierlichen Überwachung der Spannungsqualität an relevanten Netzknoten die Qualitätsreserven bekannt sind, hat man die Sicherheit, dass auch dann keine Grenzwertverletzungen auftreten, wenn Netzanschlüsse ohne weitere Massnahmen zugelassen werden. Zur Umsetzung dieser Massnahme haben die Projektpartner ein generisches Überwachungskonzept formuliert.
Die Ergebnisse zeigen, dass bei der Wahl von Massnahmen die Netztopologie, die Anlagenstruktur und die Leistungsflüsse zu berücksichtigen sind. Fazit: Künftig wird ein Mix aus intelligenten Massnahmen gefragt sein, mit Überwachung und Netzverstärkungen bzw. Netzausbauten.
Generisches Überwachungskonzept
Die punktuelle, kontinuierliche Überwachung der Spannungsqualität ist bei einer zunehmenden Elektrifizierung eine wichtige Massnahme, um Stromnetze effizient auszunutzen und unnötige Netzinvestitionen zu vermeiden. Die Messungen in verschiedenen Niederspannungsnetzen haben gezeigt, dass heute an den meisten Netzknoten genügend Qualitätsreserven vorhanden sind und folglich insbesondere die Überwachung von neuralgischen Punkten ökonomisch sinnvoll ist. Eine flächendeckende Messung scheint keinen signifikanten Mehrwert zu bringen. Wesentlich ist jedoch die Identifikation der Netzknoten mit geringen Qualitätsreserven und derjenigen mit absehbarer Verschlechterung der Qualitätsreserven. Daher wurde im Schlussbericht ein generisches Überwachungskonzept formuliert, das eine einfache, möglichst kostengünstige Beurteilung der Spannungsqualität im Niederspannungsnetz ermöglichen soll. Auf der Grundlage der Projektergebnisse wird zudem die Entwicklung eines einfacheren, kostengünstigeren Messgeräts vorgeschlagen, das Messungen der relevantesten Parameter ermöglicht.
Effizientes Verteilnetz
Der Projektschlussbericht stellt die Projektergebnisse zusammen und gibt Empfehlungen für die Umsetzung entsprechender Massnahmen ab [4]. Durch die Beschreibung der heutigen Qualitätsreserven in verschiedenen Verteilnetzen und die Kenntnis, wie sich diverse Anlagen und Netzkonstellationen darauf auswirken, haben die Netzbetreiber ein besseres Verständnis des aktuellen Zustands und sind in der Lage, kommende Veränderungen besser einzuschätzen. Dies unterstreicht die Wichtigkeit von permanenten PQ-Messungen an ausgewählten Netzknoten im Niederspannungsnetz. Die beschriebene Massnahme «Überwachung» und das Konzept «Messen und Regeln» können dabei helfen, die Qualitätsreserven im Sinne eines effizienten Verteilnetzes besser auszunutzen und dabei sicherzustellen, dass die Grenzwerte nicht überschritten werden.
Aufgrund der gemessenen Qualitätsreserven stellt sich die Frage, ob die aktuellen Planungsgrundsätze für einen kosteneffizienten Netzausbau ausreichen oder ob Ergänzungen in Bezug auf den Einsatz von sogenannten Smart-Grid-Technologien möglich sind. Dies wird in einem weiteren BFE-Projekt mit dem Namen PLANET (Optimale Nutzung der Technischen Regeln bei einer effizienten Netzplanung) mit vierzehn Projektpartnern analysiert [5].