Versorgungsunternehmen sind das Rückgrat unserer Gesellschaft. Strom, Gas, Wasser und Fernwärme versorgen Krankenhäuser, Schulen, Finanzsysteme, den öffentlichen Verkehr, Rettungsdienste und staatliche Einrichtungen. Wenn diese Systeme wie vorgesehen funktionieren, sind sie der Inbegriff «nahtloser Lösungen». Wenn sie versagen, sind die Folgen unmittelbar und weitreichend – mit finanziellen Auswirkungen und realen Folgen für Menschen.
Ich bin seit Jahrzehnten in diesem Sektor tätig, heute als Teil des sichersten und schnellsten Glasfasernetzbetreibers der Schweiz. Was ich tagtäglich sehe, ist eine stark dezentralisierte Versorgungslandschaft mit Hunderten von Betreibern, die kritische Systeme betreiben und sicherstellen, dass essenzielle Dienstleistungen für Bürgerinnen, Bürger und Unternehmen verfügbar bleiben.
Diese Dezentralisierung war historisch gesehen eine Stärke, da sie Verantwortlichkeit und operative Sicherheit fördert. Gleichzeitig zeigt sich jedoch, dass sich die dezentrale Struktur der Versorgungsbetriebe auch in den Cybersicherheitsstrategien des Sektors widerspiegelt: isoliert und privat.
Doch ein entscheidender Faktor verändert derzeit die Spielregeln: die zunehmende Vernetzung. Diese setzt private Leitungen unter enormen Druck, da sie nicht für ein solches Mass an Interkonnektivität ausgelegt sind. In der Folge greifen Versorgungsunternehmen vermehrt auf Internet-basierte Konnektivität zurück.
Es überrascht daher nicht, dass die regulatorischen Erwartungen parallel zur Digitalisierung und Vernetzung steigen. In der Schweiz verschärfen Rahmenwerke wie der ITK-Minimalstandard die Anforderungen an Cybersicherheit und Resilienz kritischer Infrastrukturen. International spiegeln Regulierungen wie NIS2 denselben Trend wider: höhere Anforderungen an die Cyberresilienz von Betreibern kritischer Dienste.
Kurz gesagt: Behörden erwarten von Strom-, Gas- und Wasserversorgern nachweisbare Resilienz – auch auf der Konnektivitätsebene. Genau hier bietet das Secure Swiss Utility Network (SSUN) aus meiner Sicht eine bessere Alternative zu bestehenden Lösungen.
Der Bedarf nach einem neuen Netzwerkmodell im digitalen Versorgungssektor
Traditionell setzten Betreiber kritischer Infrastrukturen zur Sicherstellung der Resilienz des Energiesystems auf private Leitungen (Punkt-zu-Punkt-Verbindungen), um Umspannwerke, Leitsysteme und Betriebstechnologie (OT) zu verbinden.
Der klare Vorteil dieses Ansatzes liegt in der Isolation vom öffentlichen Internet, was ein hohes Mass an Sicherheit bietet. Private Leitungen können jedoch den wachsenden Anforderungen eines zunehmend verteilten Versorgungssektors nicht mehr gerecht werden – eines Sektors, der heute IoT-Geräte, Smart Meter sowie einen steigenden Bedarf an Fernzugriffen für Mitarbeitende und Feldeinsatzkräfte umfasst. Auf den ersten Blick erscheint das Internet als einzige praktikable Alternative.
Doch während das Internet Offenheit und globale Reichweite bietet, erzeugen genau diese Eigenschaften eine massive Angriffsfläche. Dienste, die für alle und überall erreichbar sind, lassen sich grundsätzlich schwerer absichern – unabhängig davon, wie ausgereift die Sicherheitsmassnahmen auf Anwendungsebene sind.
Kritische Infrastrukturen sind von Grund auf nicht dafür gedacht, für diese Anwendungsfälle auf das Internet angewiesen zu sein. Der Verband Schweizerischer Elektrizitätsunternehmen erkannte daher den Bedarf nach einer Alternative: einem Netzwerkmodell, das hohe Resilienz und Sicherheit bietet und gleichzeitig moderne digitale Betriebsmodelle ermöglicht. Genau dafür wurde das Secure Swiss Utility Network (SSUN) konzipiert.
SCION SSUN – eine Koalition für die Anforderungen moderner Versorger
Zunächst ist festzuhalten: Das SSUN ist ein koalitionsbasiertes Netzwerk, aufgebaut auf dem SCION-Internet und mit klarer Governance, die definiert, wer Teil des Netzwerks sein darf. Diese Governance regelt nicht nur, welche Konnektivitätsanbieter teilnehmen können, sondern auch, welche Nutzer – konkret Strom-, Gas- und Wasserversorger – Zugang erhalten.